Duo drängelt auf Datenautobahn
Das Ringen zweier Systeme um die Überholspur auf der Datenautobahn bestimmte die gut dreistündige Bürgerversammlung im voll besetzten Pfarrheim in Volkach. Das Ergebnis: Die Mehrheit der gut 170 Zuhörer – vor allem aus unterversorgten Ortsteilen – sprach sich für ein schnelles Internet übers Festnetz aus. Die Funk-Lösung fiel dagegen bei vielen Meinungsbeiträgen durch. Jetzt will sich die Stadt mit allen Beteiligten zusammensetzen, „um die Wünsche der Bürger zu befriedigen“, wie Bürgermeister Peter Kornell sagte.
Ein Internetzugang im Schneckentempo nervt viele. Die Stadt und Astheim sind weitgehend gut versorgt, in neun Ortsteilen kriecht der Datenstrom. Den wollte der Stadtrat beschleunigen, fand mit der Mittelständischen Kabel-Holding GmbH (MKH) – vor Ort repräsentiert durch die Firma Emotec (Eichfeld) – einen Partner und setzte auf das „Überall-DSL“. Weil die Funk-Lösung jedoch auf Widerstände stieß, legte das Gremium Ende 2009 die Entscheidung auf Eis – und setzte die Bürgerversammlung an.
Das Verlockende bei Funk-DSL: Die Gemeinde kriegt es zum Nulltarif, nur die Kunden zahlen. Das System ist laut MKH-Geschäftsführer Ulrich Heynmöller „zukunftssicher“ und schnell verfügbar. Das Prinzip: Von einer Hauptleitung wird das Signal auf eine bis zu zehn Meter hohe Basisstation (ein schmaler Mast) in oder am Ort gesendet. Die verteilt – per Funk – den Datenstrom auf Antennen an den Häusern. Damit der ankommt, sei allerdings Sichtkontakt nötig, so Heynmöller.
Nachdem sich gegen Funk-DSL bereits eine Bürgerinitiative „Strahlungsfrei ins Internet“ gebildet hat, betonte der Geschäftsführer die geringe Sendeleistung, die deutlich unter der eines Handys liege. Zudem sei die Lösung, die ein Tempo von bis zu sechs Megabit liefern könne, so standfest „wie die Telekom.“
Abschied vom Funk-System
Das „Überall-DSL“ bezeichnete Ralf Bögelein, Vertriebsleiter der Firma mvox AG, als „Übergangslösung“. Sein Unternehmen, das bislang ebenfalls Funklösungen verkauft habe, komme allmählich von diesem System ab. Seit 2008 setze mvox aufs Festnetz: Dabei hängt sich der Betreiber ans Netz der Telekom, baut am jeweiligen Ort einen „Netzwerkschrank“, der den Datenstrom bis zu zehn Kilometer weit an die Endabnehmer leitet.
Alleine dadurch lasse sich in den Außenbereichen eine Bandbreite von einem Megabit garantieren. Wenn höhere Übertragungsraten – beispielsweise für Firmen und Selbstständige – gebraucht würden, könne mvox diese mit neuerer Technik erreichen: Mit einem Verteiler an den Orten ließen sich Datenströme von bis zu 16 Megabit weiterleiten.
Ein solches Hochgeschwindigkeits-Internet steckt im Kosten-Angebot der Firma: Da werden Eichfeld, Escherndorf und Fahr DSL-mäßig voll beschleunigt, der Rest der Ortsteile zumindest auf bis zu vier Megabit gebracht. Das ist – im Gegensatz zum Nulltarif-Funk-DSL – kein Schnäppchen: Rund 30 000 Euro müsste Volkach laut Bögelein in die Lösung stecken, wenn der Freistaat das Ganze mit 70 000 Euro aus dem Topf der Breitband-Initiative fördert.
„Überall-DSL“ auf dem Prüfstand
An diesem Punkt wird's eng: Den Zuschuss gibt's nur für die wirtschaftlichste Lösung. Die bietet MKH. Und weil die nichts kostet, gibt's kein Geld vom Freistaat. Allerdings: Das „Überall-DSL“ kommt laut Gisela Götz Müller, Abteilungsleiterin für Wirtschaftsförderung bei der Regierung von Unterfranken, noch auf den Prüfstand. Zwei Bedingungen müsse das Funk-DSL erfüllen: Es müsse flächendeckend sein und die Anforderungen – beispielsweise von Firmen – an höhere Übertragungsgeschwindigkeiten erfüllen.
An der Garantie für die Fläche zweifelten die meisten Redner aus dem Publikum. Zudem wurde deutlich, dass sich die Mehrheit eine Festnetz-Variante wünscht, die einen späteren Anschluss an ein Glasfasernetz nicht ausschließt. Was viele Redner dem Bürgermeister und dem Stadtrat deutlich machten, war eine klare Ablehnung der Funk-Variante und die Aufforderung, den Bürgerwunsch nach schnellem Internet für die unterversorgten Ortsteile auch dann zu erfüllen, wenn die geschätzten 100 000 Euro fällig werden.
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