Sulzheim | von Von unserer Mitarbeiterin Patricia kaspar

Schloss Sulzheim: Der Förster und die Folterkammer

Imposant und anmutig liegt es inmitten der rund 1000 Einwohner zählenden Gemeinde Sulzheim (Kreis Schweinfurt) und gilt als Wahrzeichen des Ortes: Schloss Sulzheim. Die prächtige Anlage mit dreistöckigem Mittelbau und zwei Seitenflügeln, die 1728 fertiggestellt wurde, war einst Verwaltungsgebäude der Zisterzienserabtei Ebrach.
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Erbaut wurde sie unter Abt Wilhelm Söllner (1714 bis 1741). Er leitete seinen Namen vom lateinischen „sol“ wie Sonne ab und führte daher in seinem Wappen eine stilisierte Sonnenblume, die an vielen Bauelementen noch heute zu finden ist. Mitte des 12. Jahrhunderts geht das im Jahr 822 erstmals urkundlich erwähnte Dorf Sulzheim aus dem Besitz des Domkapitels an das Zisterzienserkloster Ebrach über.

In der folgenden Zeit erlebte der Amtshof durch weitere Schenkungen sehr schnell einen enormen Aufschwung. Wichtige Einnahmequellen waren die Schafhaltung, der Weinbau und der Holzverkauf. Die Abgaben, in Form von Getreide und Feldfrüchten, die die Bevölkerung entrichten musste, lagerte man im Schüttbau oder Zehntspeicher.

Barocke Bauleidenschaft

Dieser stammt aus dem Jahr 1673 und wurde vom bekannten Barockbaumeister Johann Leonhard Dientzenhofer errichtet. Die Planung zu dieser Baumaßnahme beinhaltet einen Bestandsplan, der die einzige Dokumentation der vorbarocken Anlage des Amtshofes darstellt. Dieser Grundriss zeigt eine wasserburgähnliche Anlage, bestehend aus einem ummauerten Geviert mit einem Wehrturm auf der Südostseite, nach Osten hin einer Zugbrücke, das Ganze umgeben mit einem Graben.

Die aufblühende Baubegeisterung des Barocks Mitte des 17. bis Mitte des 18. Jahrhunderts erfasste auch das Zisterzienserkloster Ebrach. So wurden neben dem Klostergebäude in Ebrach auch die Amtshöfe in Oberschwappach, Burgwindheim und Sulzheim repräsentativ und großzügig neu erbaut. Der Baumeister der Schlossanlage ist nicht sicher belegt, da fast alle schriftlichen Aufzeichnungen vernichtet wurden.

Neuere Untersuchungen lassen vermuten, dass der Barockbaumeister Joseph Greising am Neubau von Schloss Sulzheim mitgewirkt hat. Das Hauptgebäude beherbergte die Schlossküche, Amts- und Gerichtsräume, die Kelterhalle und die Unterkünfte für bis zu drei Zisterzienserpatres, die vor Ort die Verwaltungsaufgaben regelten.

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Der Mittelbau des Schlosses wird geprägt durch eine zweiläufige, eindrucksvolle Treppenanlage, die von einer imposanten Deckenmalerei überspannt wird. Die Kapelle im östlichen Seitenflügel zeigt durch die Stuckarbeiten und das Deckengemälde mit Szenen aus dem Alten und Neuen Testament eine eigene Schönheit. Den Außenbereich zierte eine barocke Gartenanlage mit zwei Springbrunnen.

Die Blütezeit der Abtei Ebrach und damit auch die des Schlosses Sulzheim endete im Dezember 1802 mit der Säkularisation, wodurch das Schloss entschädigungslos in Staatsbesitz überging. Das Fürstenhaus Thurn und Taxis wurde für die Übertragung des Postregals an den Bayerischen Staat unter anderem mit dem Amtshof in Sulzheim und den noch verbliebenen Waldbesitzungen im Umland im Jahr 1818 entschädigt.

Mitte der 1970er Jahre wurde die dort untergebrachte fürstliche Forstverwaltung aufgelöst und die Familie Pöter, die im ehemaligen Zehntspeicher seit 1969 einen Antiquitätenhandel mit Schreinerei eingerichtet hatte, kaufte die Anlage. Anfang der 1990er Jahre entstand ein Gastronomiebetrieb, der sich unter der Leitung von Armin Pöter auf die Ausrichtung von Hochzeiten, privaten und geschäftlichen Veranstaltungen spezialisiert hat. Seit dem Jahr 2005 existiert ein Förderkreis, der den Erhalt des Schlosses unterstützt.

Der gefühllose Oberförster

Auch die bekannte Sage „Die Folterkammer im Schloss“ rankt sich um Schloss Sulzheim. Ihr Inhalt: Zur Zeit des Hexenwahns war ein Raum des Sulzheimer Amtshauses mit grausigen Marterwerkzeugen ausgestattet. Die Aufsicht über diese Folterkammer hatte ein Oberförster, ein großer, starker Mann mit einem grausamen, gefühllosen Herzen. Seine größte Freude war es, hilflose Menschen zu Tode zu quälen.

Eines Tages wurde ein armer Wandergeselle ergriffen und in die Folterkammer gebracht, weil er bei einem Bauern ein Stück Brot erbettelt hatte. 25 Schläge auf die Ferse bekam er verabreicht. Er nahm es ohne Klage hin. Als er aber humpelnd das Schloss verließ, sprach er zu seinem Peiniger: „Merke dir, ich war der Letzte, den du gefoltert hast! Wie der Schnee an der Sonne sollst du zergehen! Bald wird es mit dir zu Ende sein!“

Doch der grausame Mensch gab ihm zum Abschied noch einen Fußtritt und rief höhnisch: „Das mit dem Zergehen musst du mir erst vormachen!“ Aber schon am nächsten Tage hatte er eine unheilbare Krankheit und war nach einer Woche tot. Sein qualvolles Sterben war, so sagen die Leute, ein Strafgericht Gottes. Seit dieser Zeit aber wurde in Sulzheim niemand mehr gefoltert.

(Quelle: Sagenschatz des Landkreises Schweinfurt von Karl Schöner)

Öffnungszeiten
Auf Anfrage für geschlossene Gesellschaften, wie Hochzeiten, Geburtstage, Firmenfeiern. Ein Jahresprogramm ist erhältlich. Der Förderkreis Schloss Sulzheim bietet Führungen an. Beim „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag, 14. September, ist das Schloss von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Umgebung
Zu empfehlen sind Abstecher in die historische Altstadt von Gerolzhofen mit dem Stadtmuseum, der Johanniskappelle und die umliegenden Weinorte.

Anfahrt
Sulzheim liegt an der B 286 zwischen Schweinfurt und Gerolzhofen. An der Abfahrt Alitzheim/Sulzheim biegt man nach Sulzheim ab und stößt direkt auf das Schloss am Ortseingang.

Kontakt
Schloss Sulzheim Tel. (0 93 82) 86 28; E-Mail info@schloss-sulzheim.de unter www.schloss-sulzheim.de

| von Von unserer Mitarbeiterin Patricia kaspar
06.08.2008, 15:20 Uhr von
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