Brattenstein: Von der Burg zur Freilichtbühne
Ein Glanzpunkt der 25. Jubiläumssaison in Röttingen (Kreis Würzburg) wird der Auftritt des Falco-Imitators Michael Patrick Simoner am 23. Juli mit „A Tribute to Falco“ im Burghof sein.
Mitte der 70er Jahre wurde über den weiteren Bestand der Burg heftig diskutiert, denn am 5. November 1971 stürzte ein Teil des südöstlichen Flügels der Burg ein. Bei der wohl größten Tragödie in der über 900-jährigen Geschichte des Taubertalstädtchens starben vier Frauen der 46 Beschäftigten und elf Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.
Auslöser für das Unglück waren Bauarbeiten an der Burganlage. Den Erschütterungen, die durch Baumaschinen und die schweren Bügelmaschinen der Näherei im Trakt des Gebäudes verursacht wurden, hielten die Mauern offenbar nicht stand. An der Unglücksstelle sollte eine Garage für einen Rotkreuzwagen entstehen. Zur damaligen Zeit gab es viele Befürworter für den Abriss der Anlage.
Anfang der 1980er Jahre suchte der in Sommerhausen wirkende Veit Relin einen neuen Festspielort. Röttingens Bürgermeister Günter Rudolf bot die zwischenzeitlich frisch und umfangreich sanierte Burg dem Prinzipal des Torturmtheaters an und die Burg erwachte aus ihrem Dornröschenschlaf. Aus der Burgruine wurde eine Freilichtbühne.
Seit 1984 ließen die Burg und die mittlerweile weit über die Region Unterfrankens hinaus bekannten Festspiele nicht mehr voneinander los. Inklusiv Kindertheater (Mai bis Juli) zählt man alljährlich an die 40.000 Besucher im Burghof.
Die Gäste sind besonders von der heiteren Stimmung, ausgelöst vom romantischen Ambiente, vom Spiel bekannter Wiener Schauspieler und einem Schoppen aus der Röttinger Weinlage „Feuerstein“, den sie sich während der Vorstellung munden lassen können, begeistert. Eingebunden in die mittelalterliche Stadtmauer mit ihren noch sieben erhaltenen Wehrtürmen zählt Burg Brattenstein zu den Wahrzeichen Röttingens.
Im Burghof erstreckt sich der ehemalige Getreidespeicher, genannt Zehntscheune. Die kleine Burg hat viel erlebt, sogar amerikanische Truppen bewohnten die Burg, bis sie dann im Jahre 1946 als Flüchtlings-Durchgangslager Verwendung fand.
Im Bacchuskeller der Burg Brattenstein ist ein vor wenigen Wochen liebevoll neu eingerichtetes Weinmuseum untergebracht. Für Kreisheimatpfleger Herbert Haas ist vor allem die noch original erhaltene Farbfassung im Foyer des Museums eine Besonderheit und in Main/Tauberfranken einmalig.
Im Keller der Zehntscheune befindet sich zudem ein ansprechender Raum für besondere Anlässe, der „Zehntkeller“. Der im Juni 2006 eröffnete Paracelsus-Garten (Heilkräuter) rundet das Kleinod im staatlich anerkannten Erholungsort ab.
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